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Die rechte Zeit ist geschenkt, daher muss man warten, bis sie kommt.
Wie erkennen wir, dass sie gekommen ist? An der Kraft und an der Fähigkeit, endlich zu tun und zu entscheiden, was sich schon lange als fällig angebahnt hat, das aber durch die Umstände noch nicht in Angriff genommen und durchgesetzt werden konnte. Daher wird die rechte Zeit von mehreren zugleich erwartet. Erst wenn viele spüren, dass sie gekommen ist, ermöglicht sie die entscheidenden Schritte. Ihr geht daher oft eine Krise voraus, die viele ungeduldig macht. In der Ungeduld und in der Erwartung und Hoffnung, dass endlich etwas geschied, wächst die Kraft zum Handeln.
Streng heißt: zur Sache, ohne Umschweife oder Ablenkung, zum Beispiel ein strenger Beweis. Streng heißt auch, keine Ablenkung auf Nebensächliches oder das einer Sache oder einem Vorgang im Wege Stehendes zu dulden. So ist zum Beispiel ein Lehrer streng.
Auch das Leben ist streng, wenn es um das Wesentliche geht, zum Beispiel bei einer Geburt. Auch der Tod ist streng, wenn wir ihm entkommen oder mit ihm spielen wollen.
Die Strenge ist ernst im Sinne von, dass es um Wichtiges geht, das keinen Aufschub duldet. Hier hört das Lachen auf. Erst nach dem Erfolg, nach der überstandenen Gefahr, wenn die Strenge nachlässt, dürfen wir aufatmen, loslassen, eine Pause einlegen und befreit lachen.
Die Strenge hat daher ihre Zeit, gilt innerhalb eines Rahmens und macht dann der Leichtigkeit und dem Spiel wieder Platz.
Innerhalb der Strenge, solange sie angebracht ist, fühlen wir uns sicher und gefordert. In ihr wachsen wir. In diesem Sinne streng sein, kann nur, wer auch stark ist, wer die Zügel sowohl in der Hand hat als auch loslassen kann. Führung verlangt daher Strenge. Verantwortung übernehmen kann nur, wer auch streng ist.
Daher sind Eltern sowohl liebevoll als auch streng. Ebenso Lehrer. Nur wer auch streng ist, wird sowohl geliebt wie auch geachtet.
Mein Gegner, das bin ich selbst. Was mir von außen entgegentritt, brauche ich, weil ich nur so, das in mir Verheimlichte in den Blick und das Gefühl bekomme. Wenn ich es bekämpfe, wird das in mir Verheimlichte noch heimlicher und mir als Teil von mir entzogen. Und so macht der Feldzug gegen das, was sich mir entgegenstellt, mich in meiner Seele eng. Ich gerate außer mich in dem besonderen Sinn, dass ich mich von etwas, das mir zugehört, wegbewege. Je mehr ich außer mich gerate und das andere, was mir zuwider ist, bekämpfe, desto mächtiger nimmt es mich im Lauf der Zeit gefangen, mit dem Ergebnis, dass ich mich, je länger desto mehr, mit ihm verbünde und ich am Ende vielleicht mit Schrecken seiner inne werde als ein Teil von mir, ja als ich selbst. Dann komme ich in meinem Gegner zur Besinnung, werde in ihm vielleicht mit mir versöhnt und werde durch ihn erst der Mensch, der ich schon war, doch jetzt geläutert und bescheiden, dem anderen willig gleich.
Dann wachse ich an meinem Gegner, und er, der mich bekämpft, wächst in gleicher Weise auch an mir.
Auch hier gilt: Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Er ist mein Vater, der mich zu dem macht, der ich werde.
Allerdings gibt es bei diesen Kriegen auch Verlierer. Es sind jene, die den Frieden suchen ohne den Konflikt. Für sie ist Frieden der eigentliche Gegner. Doch auch in diesem Gegner finden sie sich selbst.
Vorurteil heißt, das wir etwas, das wir nicht kennen, mit etwas, das wir kennen, verbinden oder, schlimmer noch, das wir es mit etwas verbinden, das wir genauso wenig kennen.
Vorurteile sind sowohl positiv wie negativ. Aus beiden wacht man auf, wenn man das bisher Unbekannte näher kennen lernt. Zum Beispiel wenn man nach der Verliebtheit, die ja auch ein Vorurteil ist, den anderen so sieht und sehen muss, wie er wirklich und anders ist. Das bereitet dann den Weg für die Wertschätzung, die sich für das andere öffnet und uns aus der bisherigen Enge ins Offene und Weite treten lässt.
Vorurteil hat ja immer mit Enge zu tun und mit Urteilen nach vertrauten und daher begrenzten Vorstellungen und Bildern. Wie übrigens auch jedes Werturteil, sei es nun positiv oder negativ, da es ja auch das eine vom anderen trennt und sich dem, was ihm entgegensteht, verschließt. Durch das Werturteil differenzieren wir und erschließen uns dadurch die Vielfalt. Allerdings nur kognitiv, nicht mit der Seele. Die Seele verbindet das Sich-Entgegenstehende und zeigt gerade dadurch ihre Weite und ihre Kraft.
Am meisten engt uns natürlich das negative Vorurteil oder Werturteil ein, vor allem, weil es in der Regel von einem Gefühl der Überlegenheit begleitet wird. Oft auch von einem Gefühl der Entrüstung und damit verbunden, auch mit Rachegedanken und Rachewünschen.
Viele Vorurteile und Werturteile hängen damit zusammen, dass wir die anderen unter dem Blickwinkel unseres Gewissens betrachten, das ja die anderen einteilt in solche, die dazugehören dürfen und solche, die ausgeschlossen werden müssen. Diese Vorurteile hängen auch damit zusammen, dass wir meinen, die anderen, die anders sind, seien frei und müssten nur guten Willen zeigen, um anders zu sein, so wie wir. Aber weder wir noch sie sind mit unseren Wert- und Vorurteilen frei. Sie und wir sind in vielfältiger Weise in die Schicksale unserer Ahnen und unserer Gruppe verstrickt.
Wenn wir das durchschauen, werden wir vorsichtig und milde, sowohl mit Hinsicht auf die anderen als auch im Hinblick auf uns und unsere Urteile. Vielleicht gelingt es uns dann, sie zu vergessen.
Danken macht mich groß. Denn wenn ich danke, nehme ich von anderen etwas als ein Geschenk. Es bereichert mich, weil ich es nehme. Zugleich wird das, was ich dankend nehme, für mich unverlierbar. Der Dank erlaubt mir, es zu behalten und zu mehren. Er wirkt wie die Sonne und der warme Regen auf eine junge Pflanze. Sie gedeiht.
Danken verbindet. Durch das Danken gedeihen unsere Beziehungen. Denn dem, der dankt, wird gerne gegeben. Umgekehrt wird der, der dankend nimmt, innerlich weit und kann nicht anders, als selbst zu geben und das, was er als Geschenk mit Dank genommen hat, weiter zu schenken. Das Danken macht daher nicht nur mich, es macht auch andere glücklich und reich.
Wer dankt, würdigt, was ihm geschenkt ist, und er würdigt damit auch die, die es ihm schenken. So werden durch das Danken sowohl ich, als auch die Gabe und die Geber groß.
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Texte aus dem Buch "Gedanken Unterwegs" von Bert Hellinger.
Erschienen im Kösel Verlag ISBN 3-466-30642-6 ZITATE
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